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Wenn die Eltern sterben

Vater und Mutter sind normalerweise die wichtigsten Bezugspersonen im Leben eines Kindes, weshalb deren Tod die tiefgreifendste Verlusterfahrung ist. Durch den Tod von Mutter oder Vater stirbt ein wesentlicher Teil des Kindes, da sich das verwaiste Kind ein Leben lang vorstellt, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte es den Elternteil nicht so früh verloren. Niemand kann den verstorbenen Elternteil ersetzen, da niemand das Kind so sehr lieben kann, wie ein Vater oder eine Mutter das kann. Ängste, dass das Kind verlassen wird, treten wieder auf, da es sich in seinen Bedürfnissen nach Sicherheit, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Liebe bedroht fühlt. Das Kind hat Angst, dass auch der andere Elternteil sterben könne und es dann ganz allein auf der Welt wäre.
Wie das Kind mit dem Elterntod leben kann, hängt davon ab, wieweit der lebende Elternteil in der Lage ist, sich um das Kind zu kümmern. Es ist wichtig, dass der Elternteil darum bemüht ist, sein Leben so gut wie möglich zu gestalten und für seine Bedürfnisse zu sorgen und dass er in der Lage ist, mit dem Kind auch gemeinsam zu trauern. Dem Kind fällt es sonst schwer, seine eigene Trauer zuzulassen. Schwierig wird es für ein Kind, wenn Veränderungen, wie zum Beispiel ein Umzug, ein Schulwechsel oder finanzielle Probleme hinzukommen, da es mit dieser Situation dann komplett überfordert ist. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, dass Kinder so viel Vertrautes wie möglich beibehalten können. Alter und Persönlichkeit des Kindes spielen bei der Verlustbearbeitung eine große Rolle, da kleinere Kinder noch all ihre Gefühle auf die Eltern beziehen. Ältere Kinder hingegen nehmen die Situation bereits differenzierter wahr und können so den Tod besser begreifen und verarbeiten. Viele Kinder, deren Eltern verstorben sind, fühlen sich schnell minderwertig, da sie neidisch sind auf die anderen Kinder, die alle noch ihre Mütter oder Väter haben. Sie merken, dass sie nun anders sind als die anderen und wollen daher, dass niemand in der Schule oder im Kindergarten erfährt, dass die Eltern gestorben sind. Ganz besonders wichtig ist es daher, dass Kindergarten und Schule über den Verlust des Kindes informiert werden, damit richtig mit dem Kind und der Situation umgegangen wird, da es in dieser Zeit ganz besonders wichtig ist, dass es wahrgenommen wird. Die Verarbeitung und die weitere Entwicklung werden wesentlich davon beeinflusst, ob es sich um den Tod der Mutter oder um den Tod des Vaters handelt. (vgl. Franz, 2002, S. 119f)

Wenn der Vater stirbt

Manche Menschen glauben, dass der Tod des Vaters nicht so einschneidend in das Leben des Kindes eingreift wie der Tod der Mutter. Oft verdienen Väter aber den finanziell größeren Anteil des Einkommens, was zu großen wirtschaftlichen Problemen und damit verbundenen Veränderungen führt. Oft ist nämlich ein Umzug oder ein Hausverkauf unumgänglich, was die Kinder aber doppelt verunsichert, da sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Verwitweten Müttern fällt es oft schwer, eine neue Bindung einzugehen, weshalb sie oft alleine bleiben. Dadurch wachsen die Kinder ohne männliches Vorbild auf, wodurch ein Mädchen verunsichert werden kann, weil es die Liebe und die Bestätigung des Vaters nicht mehr erleben kann. Einem Jungen hingegen fällt es schwer, in einem Kreis von Frauen seine Männlichkeit zu entwickeln und er entwickelt eine unbewusste Sehnsucht nach einer männlichen Bezugsperson. Besonders schwierig wird es für die Kinder, wenn die Mutter den Vater idealisiert, indem sie ihn auf ein Podest stellt und aus ihm eine verehrungswürdige Figur macht. Das ist dann nicht mehr der Vater, den die Kinder kannten, sondern ein Gestalt, die unerreichbar wird und bleibt. Die Kinder können sich in diesem Fall noch so sehr bemühen, sie werden es nicht schaffen, auch so eine großartige Person zu werden, was zu Frustration und Hoffnungslosigkeit führt. Ein weiteres Problem kann auftreten, wenn der Sohn in die Rolle des verstorbenen Vaters schlüpft und so zum Ersatzpartner der Mutter wird. Er kann sich so nicht zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln. Ein ebenso großes Problem kann auftauchen, wenn die Mutter ihre eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund schiebt und sich nur mehr ihren Kindern widmet. Dies kann dazu führen, dass die Kinder nicht selbstständig werden und nicht damit beginnen ihr eigenes Leben zu leben. Eine solche Situation löst meist Schuldgefühle, Schuldzuweisungen und Probleme bei der Loslösung von der Mutter aus. Am wichtigsten ist in dieser Situation ein gemeinsames Trauern von Mutter und Kindern, sowie ein Sprechen über den verstorbenen Vater. (vgl. Franz, 2003, S. 121f)

Wenn die Mutter stirbt

Der Verlust der Mutter bedeutet wohl den tiefsten Einschnitt in das Leben eines Kindes, da es keine größere Belastung für ein Kind gibt. Für die meisten Kinder ist die Mutter die wichtigste Bezugsperson und durch ihren Tod gerät ihr gesamtes Leben durcheinander, da sie ihren Halt und ihre Sicherheit verlieren. Dies erschüttert ihr Vertrauen in die Welt. Den meisten Vätern gelingt es nicht, die Rolle der Mutter zu übernehmen, wodurch ihre Position unbesetzt bleibt, wenn der Vater keine neue Beziehung eingeht. Für Mädchen bedeutet das, dass sie die Identifikationsfigur verlieren. Viele Mädchen übernehmen nach dem Tod der Mutter ihre Aufgaben und versuchen sie in allen Lebensbereichen zu ersetzen, wodurch sie oft zur Ersatzpartnerin des Vaters werden. Dabei überfordern sie sich oft selbst, da sie keine Zeit und keinen Platz für ihre eigene Trauer lassen zulassen. Deshalb entsteht auch oft der Eindruck, dass sie sehr gut mit dem Verlust zurechtkommen, was aber nicht stimmt, da sie eine tiefe Sehnsucht nach der Liebe und Geborgenheit der Mutter haben. Söhne hingegen verlieren das "ödipale Liebesobjekt". Sie ziehen sich oft zurück, werden dadurch immer ruhiger, teilnahmsloser und trauern oft sehr lange und anhaltend. Wie beim Vater ist hier die Gefahr einer Idealisierung, da die Kinder die Mutter oft zu einer Heiligen erklären, an deren Einmaligkeit niemand herankommen kann. Sie wird zu einem Maßstab, an dem alles gemessen wird, wodurch sich das Kind immer mit der Mutter verbunden fühlt. Dies wird dann zu einem großen Problem, wenn der Vater einen neuen Lebenspartner findet, da es für die Kinder fast nicht möglich ist, eine neue Beziehung einzugehen. Sie fühlen für eine neue Bezugsperson nichts als Abneigung, da sie alle positiven Gefühle mit der Mutter verbinden. (vgl. Franz, 2002, S. 123f)