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Gewalt

Als Gewalt wird eine spezielle Art von Aggression bezeichnet.

Mit der Aggression gemeinsam ist das "zielgerichtete Austeilen schädigender Reize" (Lösel et al.1990;  zit. nach Rauchfleisch 1996, S.12).

"Wobei es im Fall von Gewalt um ausgeübte oder glaubwürdig angedrohte physische und psychische Aggression geht, die sich in gezielter Weise gegen ein Objekt (Mensch oder Gegenstand) richten, ohne, wenn es sich um Menschen handelt, deren Bedürfnisse und deren Willen zu berücksichtigen."

 

In Übereinstimmung mit Lösel und Mitarbeitern(1990) definiert Rauchfleisch (S.8) Gewalt als eine Teilmenge, als eine spezifische Form der Aggression.

 

"Der Begriff Gewalt bezeichnet die schweren und schwersten Formen von Aggressionen und gilt als eine Teilmenge der Aggression: Gewalt definiert die Aggression in ihrer extremen, in aller Regel physisch ausgeübten und sozial nicht akzeptablen Form"(Huber 1995, S.15).

 

Galtung (1975) prägte den Begriff "strukturelle Gewalt".

Darunter ist eine indirekt wirkende Art von Gewalt zu verstehen, die von der Gesellschaft aufgrund ihrer Normen und Strukturen ausgeübt wird.

Johan Galtung - ein norwegischer Friedensforscher - nannte als Beispiele für strukturelle Gewalt unter anderem Lebenswelten eines Ghettos oder eines Gefängnisses. Die Freiheit sei dadurch eingeschränkt, dass durch Ge- und Verbote, ausgesprochene oder ungeschriebene Regeln indirekt Druck ausgeübt werden. Weiters  sah er geltende gesellschaftliche Normen in Bezug auf  die Geschlechterrolle, als Bereich an, indem strukturelle Gewalt ausgeübt wird. Die Auswirkungen manifestierter Rollenklischees sind in verschiedenen Kulturen sehr prägnant zu erkennen..

Dazu muss erwähnt werden, dass die Gewaltkommission den Begriff der sogenannten strukturellen Gewalt völlig ausklammert. Auch Aggressionsforscher plädieren dafür, den vieldeutigen Begriff der strukturellen Gewalt durch die Formulierung der sozialen Ungerechtigkeit zu ersetzen. Ausgangspunkt sei, dass soziale Ungerechtigkeit nicht Gewalt bedeuten müsse, jedoch eine Ursache dafür sein könne (vgl. Huber 1995, S.14).

Ich stimme mit der Auffassung Galtungs überein und sehe darin die grundlegende Ursache für den "Teufelskreis" der Aggression, sowie gleichzeitig einen wesentlichen Handlungsansatz.

 

Aggression und Gewalt sind vor allem Symptome, die wir nicht mehr individuell betrachten können. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass der Mensch auf Bedingungen seiner Umwelt reagiert. Auf strukturelle Gewalt kann demnach Aggression folgen.

Normen und Stukturen einer Gesellschaft schaffen ein Ordnungssystem, bieten dem Menschen, der dieser Lebenswelt angehört, Sicherheit und Schutz. Gleichzeitig wird die individuelle Entscheidungsfreiheit unbewusst und indirekt eingeengt. Diese strukturellen Einschränkungen erzeugen nicht nur Druck, sondern auch Angst. Die Angst vor dem Versagen, Angst, den unbewussten Normen nicht gerecht zu werden, u.v.m. kann beim Individuum Spannungen erzeugen, die unter entsprechenden Bedingungen zu Aggression führen.

 

"Vertreter der sogenannten interaktionistischen Aggressionsforschung argumentieren folgendermaßen: Aggressivität sei ein zwischenmenschliches Phänomen erster Ordnung, da Aggressionen immer in sozialen  Situationen stattfinden. Daher müßten sie - wie alle interaktionalen, sozialen oder systemischen menschlichen Kommunikationsprozesse - aus der Wechselseitigkeit menschlichen Tuns erklärt werden."

(Huber 1995, S.45)

Soziales Verhalten ist immer kreisförmig und wechselseitig aufeinander bezogen.

 

Subtile Gewalt

Definition- subtil:

mit viel Feingefühl, mit großer Behutsamkeit, Sorgfalt, Genauigkeit vorgehend oder

ausgeführt; in die Details, die Feinheiten gehend; b)  fein strukturiert (und daher schwer zu durchschauen, zu verstehen); schwierig, kompliziert.© Dudenverlag

 

Sexueller Mißbrauch stellt die ausgeprägteste Form subtiler Gewalt dar.