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Klassische Einteilung

Die Aggressionspsychologie unterscheidet zwei Grundtypen:

  • affektive Aggressionsformen
    Sie beruhen auf emotionaler Reaktion, wie Ärger, gewinnen Befriedigung aus Schädigung und Schmerzzufügung. Dem Verhalten liegt ein tatsächliches Aggressionsbedürfnis zugrunde.
  • instrumentelle Aggressionsformen
    Sind auf Nutzeffekt gerichtet (Durchsetzung, Gewinn). Schädigung und Schmerzzufügung ist Mittel zum Zweck, daher liegt dem Verhalten kein aggressives Bedürfnis zugrunde

 

Nolting unterscheidet zwischen

  • Vergeltungs-Aggression
  • Abwehr-Aggression
  • Erlangungs-Aggression
  • Spontaner Aggression

Seine Unterscheidungskriterien beziehen sich auf die Art der Motivation und die Art des Antriebes:

Vergeltungs-Aggression

Ist die zielgerichtete Antwort auf eine Provokation, z.B. schlechte Behandlung oder Kränkung.

Es geht hier in erster Linie ums "Heimzahlen". Der Sinn nach Gerechtigkeit steht im Vordergrund: So wie du mir, so ich dir.

Bsp: Das Kind zerreißt das Schulheft eines anderen, weil es vorher  von ihm  vor der ganzen Gruppe bloßgestellt wurde.

 

Abwehr-Aggression

Ziel ist es, die eigene Person vor physischen Angriffen, Störungen, sowie lästigen Pflichten und Aufgaben zu schützen.

Bsp: SP versucht mit dem Kind über ein schulisches Problem zu sprechen. Kind schreit: Laß mich in Ruhe!

 

Erlangungs-Aggression

Zielt auf das, was ein Mensch durchsetzen oder gewinnen möchte. In diesem Fall werden aggressive Verhaltensweisen eingesetzt, um materiellen oder auch Machtgewinn zu erzielen. Oft ist eine ordentliche Portion Ärger dabei, vor allem, wenn das Ziel nicht erreicht werden kann, weil man auf Widerstand stößt. Wutausbrüche können Reaktionen auf nicht erreichte Absichten sein.

Bsp: Kind verhält sich aggressiv, zerkratzt z.B. Möbel, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

 

Spontane Aggression

Ohne erkennbaren Anlaß werden Streitereien provoziert, wesentlich dabei ist die intrinsische Motivation der Handlung und der Versuch, dadurch das eigene Selbstwertgefühl zu steigern.

 

Im Sinne einer detaillierten Wiedergabe verschiedenster Einteilungsmodelle finden sich einige  bereits genannte Formen in weiterer Auflistung wieder. In der Auseinandersetzung fällt auf, dass eine exakte und klare Trennung einzelner Aggressionsformen nicht immer möglich ist.

Zum Verständnis tragen hier alle in späterer Folge angegebenen Aggressionstheorien bei, die für die Komplexität einer systemischen Sichtweise von Bedeutung sind.

An dieser Stelle werden nun weitere Arten aufgelistet, die in der Literatur zu finden sind. Jedoch habe  ich diese teilweise ergänzt, miteinander verknüpft, sowie durch entsprechende Beispiele veranschaulicht.

 

Ärgeraggression

a) Unmutsäußerung Impulsiver Affektausdruck; wirkt aggressiv, ist aber

keine  Aggression im eigentlichen Sinn.

 

b) Vergeltung Getragen von Groll, Haß u.ä. Gefühlen; gezielte

Schmerzzufügung vermittelt innere Befriedigung.

(Wiederherstellung von Selbstwertgefühl und

Gerechtigkeit)

 

Instrumentelle Aggression

c) Abwehraggression Schadensabwendung, Schutz als Ziel; häufig mit

starken Emotionen (zwischen Angst und Ärger)

verbunden.

 

d) Erlangungsaggression Durchsetzung, Gewinn, Beachtung, Anerkennung als

Ziel, oft "kühl" ausgeführt

Bsp: Kind schlägt anderes um Spielzeug zu erhalten

(Mittel zum Zweck)

Oder mit Waffengewalt eine Bank überfallen

Spontane Aggression

Spontane Aggressionshandlungen sind intrinsisch motiviert

Bsp. Kinder versuchen andere, meist Schwächere, zu  tyrannisieren, um sie zu erniedrigen und sich selbst dabei zu erhöhen

 

e) Kampflust, Sadismus - Schmerzzufügung vermittelt emotionale Befriedigung

                                                   ( vermutlich Selbsterhöhung, Selbststimulierung)

 

f) Vandalismus - "Zerstörungslust", ohne äußeren Auslöser, von sich aus auftretend

 

sowie:

 

Befohlene Aggression

Auf Befehl aggressiv oder gewalttätig handeln. (z.B. Einsatzbefehl bei Polizisten, Soldaten).

Ohne Einschaltung eigener steuernder oder hemmender Funktionen.

 

Eigen- oder innengewandte Autoaggression

Schmerzhaftes Nägelkauen; depressive Verstimmungen oder Drogenmissbrauch;  Ritzen, Einkoten, Selbstmord,...

 

Kinder, die zu autoaggressiven Handlungen neigen, werden durch ihr allgemeines Verhalten oft weniger wahrgenommen als andere, da sie sich eher zurückziehen und introvertiert oder ruhig erscheinen. Hier gilt für die SozialpädagogIn, besondere Aufmerksamkeit zu zeigen, um ihre stummen Hilfeschreie zu erkennen.

 

Expressive Aggression

Ausdruck von aggressiven Emotionen wie Ärger, Zorn oder Wut (etwas kaputtschlagen); Wutausbrüche sollen Befriedigung von Spannung bringen.

 

Feindselige Aggression

Auf Schmerz und Schädigung des Opfers zielend (z.B.Tierquälerei).

 

Offene Aggression

Mit den Sinnen wahrnehmbar - sichtbar, spürbar, hörbar;  (wütendes Lautwerden)

Körperlich und/oder verbal

 

Reaktive Aggression

Als Folge bestimmter Außenreize (aggressives und gewalttätiges Handeln in Ausnahme- und Notwehrsituationen).

 

Verdeckte Aggression

Gezielte, hinterhältige Schädigung des Opfers, (z.B. Intrigen spinnen, Mobbing)

häufig auch in der Fantasie.

 

Verbale Aggression

Siehe Ärgeraggression, z.B. schimpfen;

In unserem kommunikationsorientierten Alltag spielt diese Form eine bedeutende Rolle und kann daher anderen Formen unter- bzw. zugeordnet werden.

 

Positive - von der Sozietät gebilligte Aggression

 

Negative - gesellschaftlich mißbilligte Aggression

 

Ich verzichte an dieser Stelle bewusst darauf, positive und negativen Aggressionsformen zu unterscheiden, da dies immer ausschließlich im Kontext der  jeweiligen Gesellschaftsnormen betrachtet werden muss. Der  bloße Versuch einer Zuordnung ermöglicht allerdings tiefgreifende Erkenntnisse über sytemische Zusammenhänge.