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Lösungsansätze im Bereich der Schule

Veränderungen innerhalb des Schulsystems, in Bezug auf Lehrpläne, Unterrichtsgestaltung und Flexibilität der Methodenauswahl bieten gute Voraussetzungen zur Aggressionsverminderung.

Die Umsetzbarkeit wird mitbestimmt vom Betriebsklima, den geltenden Normen innerhalb der jeweiligen Institution und letztendlich wieder von individuellen Voraussetzungen der einzelnen Lehrpersonen. Weitere aggressionshemmende Faktoren ergeben sich aus der SchülerInnenanzahl,  Ausstattung der Räume und den allgemeinen räumliche Gegebenheiten.

Der Erziehungsauftrag der Schule darf nicht in den Hintergrund treten, vielmehr sollte er als Chance gesehen werden, geltende Normen mitzugestalten und zu beeinflussen.

Dies erfordert ein Überdenken vieler Einzelbereiche innerhalb des Systems, sowie die Reflexion der geltenden Normen, Anforderungen und Zielvorstellungen. Der einzelnen Lehrperson kommt die Aufgabe zu, persönliche Einstellungen und Haltungen zu überdenken und sich ihres Einflußbereiches innerhalb des Gesamtsystems bewusst zu werden.

"Manche Kinder von heute erleben die Schule(..)als Aneinanderreihung demütigender Erfahrungen,(...)die Gedemütigten geben sich nach außen vielleicht stark und unangreifbar. Ihre Verletzung geht jedoch sehr tief. Hoch- und Minderbegabte fühlen sich häufig unverstanden und auch für die große Zahl der Durchschnittsbegabten beginnt das Leben erst nach der im Wartesaal der Schule verbrachten Kindheit" (Zeltner 1993, S.59).

An dieser Stelle möchte ich einen Grundsatz der Themenzentrierten Interaktion (Gruppenmethode) anführen: "Allem Lebendigen und seinem Wachstum gebührt Ehrfurcht und Respekt. Jede Entscheidung ist danach zu bewerten, ob sie dem Wachstum dient" (Klein 1984, S.90).

Ist er verinnerlicht bedeutet dies, dass mir bewusst ist, was mein Verhalten und Handeln bei der SchülerIn bewirkt, weshalb ich meine Entscheidungen stets darauf zu überprüfen habe, ob ich damit ein letztendlich positives Ziel erreiche.

Die Haltung des Lehrers zum Schüler sollte von diesem Ansatz geprägt sein. Dieser Grundsatz kann ebenso auf die gesamte Klasse übertragen werden oder auch innerhalb des Systems zum Tragen kommen. Um ihn nochmals zu verdeutlichen, muss erwähnt werden, dass auch eine scheinbar negative Konsequenz dem Wachstum dienen kann, wenn sie von Respekt getragen ist. (z.B. Leistungsfeststellung oder Konflikte innerhalb der Gruppe)

"Es sind Lehrerinnen und Lehrer, welche die Schule - methodenunabhängig - zum pädagogischen Erlebnis- und Lernraum gestalten. Indem sie Kinder ernstnehmen, ist ihr Unterrichtsstil individualisierend und kindorientiert. Ihnen gelingt es, in bestimmten Grenzen auf die Fähigkeiten der einzelnen einzugehen und die lähmende Gleichmacherei aus ihren Klassen zu verbannen" (Zeltner 1993, S.62).

Veränderungen, die durch die Zusammenarbeit des LehrerInnenteams entstehen, müssen ebenfalls danach bewertet werden, ob sie dem Wachstum des jungen Menschen dienen.

Der Schule stehen zahlreiche Ebenen der Aggressionsverminderung offen. Im Umgang mit den SchülerInnen ist es in erster Linie von Bedeutung, dass die Beziehung und Einstellung zum Individuum  von Wertschätzung und Einfühlungsvermögen geprägt ist. Kleinere Gruppengrößen und weniger Druck durch Vorgaben des Lehrplanes sind dafür wesentliche Voraussetzungen. Die Auseinandersetzung mit den Gruppenprozessen innerhalb einer Klasse bietet Ansatzpunkte als Übungsfeld für Konfliktbewältigung und das Reflektieren von Einstellungen und Haltungen.

Um den SchülerInnen den Transfer in andere Lebensbereiche zu ermöglichen, muss die Handlungsweise der LehrerIn stets transparent sein. Soziale Verhaltensweisen werden dadurch gestärkt und stabilisiert. Die Behandlung entsprechender Themenschwerpunkte erfordert Kreativität und häufig fächerübergreifende Zusammenarbeit. Durch sorgfältige Auswahl der Inhalte ergibt sich die Chance, Werte zu entwickeln und den jungen Menschen in seiner Orientierung und Einstellung zu fördern. Kommunikationstraining und Friedenserziehung müssen fester Bestandteil aller Lehrpläne sein und sind Grundvoraussetzungen für pädagogisches Handeln. Die Einführung eines Ethikunterrichtes kann die Umsetzung solcher Vorhaben wesentlich erleichtern.

Dies beinhaltet die Notwendigkeit, Lehrkräfte bei der Entfaltung ihres pädagogischen Potentials zu unterstützen. Einerseits sollte bereits die Ausbildung Voraussetzungen schaffen, die der einzelnen Person ermöglichen auf diese Bedingungsfelder einzugehen. Andererseits kann Hilfestellung auch durch begleitendes und erweiterndes Methodentraining, kollegiale Beratung und Supervision erfolgen.

Im Sinne des Erziehungsauftrages kommt der Schule auch dann besondere Bedeutung zu, wenn aggressives Verhalten direkt auftritt. Die pädagogische Verantwortung begründet hier die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit allen Subsystemen, damit ein Etikettierungsprozess vermieden werden kann.

Ich teile die Auffassung von Nolting, der meint, "die Schule ist keine therapeutische Anstalt und kann nicht die Defizite des Elternhauses kompensieren. Aber sie hat einen Spielraum, den sie nutzen sollte (Nolting, 2000, S.312).