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Aggressionsfördernde Faktoren anders bewerten

Die menschliche Wahrnehmung ist immer von subjektiven Empfindungen geprägt und ist die Ursache für die individuelle Bewertung einer Situation. "Viele aggressive Handlungen, (...) beruhen auf Ärger und verwandten Gefühlen" (Nolting, 2000, S.232).

Die Entstehung von Aggression und das daraus folgende Verhalten können demnach verhindert werden, indem das Individuum zu einer metaphorischen Sichtweise angeregt wird, die ihm eine Neubewertung ermöglicht.

 

a) Selbstbeeinflussung

Es geht darum, dass gefühlsbestimmende Gedanken offengelegt werden um sie im Sinne einer  Ärger-Analyse reflektieren zu können. Ziel wäre, dass beim Auftreten einer kritischen Situation der Blick zuerst nach innen gewandt wird und somit ein Selbstregulierungsprozess entsteht. In der Praxis kann dies auch bedeuten, dass die SP das Kind anleitet, sich mit seinen Gefühlen konkret auseinanderzusetzen.

Schon gezielte Selbstbeobachtung über einige Wochen kann gelassenere Reaktionen mit sich bringen (vgl. Nolting 2000, S.235).

Anhand dieses kognitiven Trainings soll es dem Kind möglich werden, seine Bewertung und Handlungsweise durch Selbstinstruktionen zu beeinflussen und dadurch Alternativen zu entwickeln. In der therapeutischen Praxis werden verschiedene Methoden angewandt und eingesetzt, durch die das Kind Alternativverhalten trainieren kann, z.B Rollenspiel und Rollentausch (um die Sichtweise des anderen einzunehmen oder andere Lösungsvorschläge zu erarbeiten), Selbstwahrnehmungsübungen, Autogenes Training, Entspannungsübungen, Konfrontation mit aggressivem Verhalten (z.B. gezielt gewählte Videoszenen) u.v.m.

 

b) Schuldzuschreibungen verhindern

Wenn es gelingt, bewusstzumachen, dass jede Interaktion zirkulär verläuft und Verhalten immer wechselseitig betrachtet werden muss, eröffnen sich "entschuldigende" Ursachen, die das Auftreten aggressiver Gefühle hemmen oder abschwächen.

Alle Faktoren in Zusammenhang mit der Problemsituation sollen berücksichtigt  und persönliche Anteile erkannt werden. Daraus entsteht die Chance, Schuldzuschreibungen zu verhindern und sich der Problemlösung zuzuwenden.

Hier kommt dem Kommunikationsaspekt große Bedeutung zu, da Mißverständnisse und negative Interpretationen häufig nur durch das persönliche Gespräch beseitigt werden können. In der pädagogischen Arbeit ist hier die Kompetenz der SP erforderlich, die unterstützend und leitend fungieren muss. Ziel solcher Gespräche soll sein, dass niemand als Sündenbock zurückbleibt, da dies neuerlich negative Gefühle hervorrufen kann.

Vielmehr wird jede einzelne individuelle Sichtweise ernstgenommen, der Zusammenhang zu begleitenden Umständen hergestellt und ein Neubeginn zugelassen, indem das Geschehene reflektiert wurde.

c) gemeinsame Problemlösung

Nur in Kooperation mit allen Beteiligten können Lösungswege erarbeitet werden, mit denen sich jeder einzelne identifizieren kann. Ein klärendes Gespräch, bei dem Anliegen und Bedürfnisse aller berücksichtigt werden, führt zu einer neuen Problemsicht und erhöht die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, die auf Einsicht und Verständnis beruhen. Bei der Erarbeitung eines Lösungsvorschlages sind einige Faktoren zu beachten:

  • alle Beteiligten sind gleichwertig
  • jeder hat die Möglichkeit, Beschwerden, Ideen, Meinungen zu äußern
  • Grundregeln der Kommunikation werden eingehalten (aktives Zuhören, einander aussprechen lassen,...)
  • auch Erfreuliches und Lobenswertes besprechen
  • Regeln vereinbaren - gemeinsame Entscheidungen treffen
  • Zeitspanne festlegen, für die die Regel gilt

Ein offenes Gespräch zur Konfliktlösung kann in der Heimsituation durch regelmäßige Zusammenkünfte eines "Gruppenrates" stattfinden, für die ein fester Zeitpunkt vereinbart wird. Dies hat den Vorteil, dass konstruktive Gespräche nicht erst dann notwendig werden, wenn bereits eine kritische Situation entstanden ist. Ein demokratisches Zusammenleben kann präventiv dazu beitragen, dass die Bereitschaft zur Problemlösung einen selbstverständlichen Bestandteil der Gemeinschaft darstellt.

Auch auf die Familiensituation lässt sich diese Methode übertragen, wenn die Einstellung der Familienmitglieder untereinander von Wertschätzung geprägt ist (vgl. Petermann und Petermann 1984, S.199/200).