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Aggressionshemmungen fördern

"Herzensbildung", die Entwicklung von Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen und die Orientierung an ethischen und moralischen Wertvorstellungen sind als effektivste Aggressionshemmungen anzusehen. Diese müssen allerdings in der Sozialisations- und Personalisationsgeschichte grundgelegt werden. Defizite führen dazu, dass der normenbedingte Hemmungsmechanismus nicht zum Tragen kommt.

Angst vor Bestrafung oder dem Eintreten einer negativen Konsequenz kann das Auftreten von nicht angemessenem Verhalten vermindern. Strafe bewirkt jedoch häufig auch Frustation und das Empfinden von Ungerechtigkeit und Kränkung, wodurch das Kind in seinem Selbstwert verletzt wird. Meist führt dies zu erneutem Auftreten negativer Impulse.

Demnach zeigt  die Angst vor Bestrafung  begrenzte Wirkung, da sie aggressive Verhaltensweisen nur unterdrückt. Das selbe Verhalten wird in einer anderen Situation erneut auftreten, wenn an dieser Stelle eine negative Konsequenz nicht zu erwarten ist. (vgl.Nolting 1987, S. 255)

Konsequenzen und Bestrafung 

Nolting fordert daher die Berücksichtigung folgender Faktoren für einen vernünftigen Umgang mit Strafen:

Bestrafung soll eine wenig aggressive und wenig angsterregende Form haben.

Natürliche Konsequenzen, die in Zusammenhang mit dem Verhalten stehen sind am besten geeignet, sowie der Entzug von Belohnungen und Verstärkern.

  • Forderung nach Wiedergutmachung
  • momentaner Entzug von Zuwendung = Abwendung (z.B. bei Wutausbruch)
  • Kurzfristiges Ausschließen
  • Taschengeldentzug, usw.

Bestrafung soll sich nicht gegen die Person richten, sondern gegen das konkrete Verhalten.

Sie soll unmittelbar auf das Verhalten folgen und aufhören, sobald sich dieses verändert.

Wesentlich ist auch die konsequente Anwendung, erfolgt die Strafe nur manchmal aufgrund des selben Verhaltens, setzt dies die Wirksamkeit erheblich herab.

Strafen müssen begründet werden, um einsichtiges Verhalten zu erreichen.

Bestrafung darf nicht als einzige Maßnahme zur Hemmung von aggressiven Verhaltensweisen angesehen werden, sie muss eher als Unterstützung beim Aufbau alternativer Verhaltensweisen dienen. Da Strafe nur mitteilt, welches Verhalten nicht gezeigt werden darf, müssen begleitend aufbauende Interventionen erfolgen.

 

Ignorieren - Nichtbeachtung

Auf den ersten Blick erscheint die Nichtbeachtung eines aggressiven Verhaltens ungeeignet. Dies kann dadurch erklärt werden, dass nicht jede Form von Aggressivität ignoriert werden kann. Hemmend wirkt das bloße Ignorieren dann, wenn das Verhalten darauf abzielt, Beachtung zu erlangen oder einen Wunsch durchzusetzen.

Erfolgt keine Verstärkung, wird das Kind das gezeigte Verhalten nicht mehr einsetzen, da es dadurch sein Ziel nicht erreichen kann. Nochmals hervorzuheben ist der Unterschied zur  "Stillschweigenden Zustimmung", die zum Aufbau einer Verhaltensweise beiträgt.

Ignoriert werden können nur Handlungen, die niemanden schädigen oder beeinträchtigen und von denen das Kind einen Nutzen zieht. Diese Aggressionshemmung verhindert demnach die Verstärkung des unerwünschten Verhaltens und ist als Maßnahme zum Aufbau angemessener Handlungsweisen sinnvoll. Ziel wäre, dass unangebrachte Handlungsmuster vollständig gelöscht werden.

 

Umlenken und Umgestalten

Da Verhaltensweisen und Handlungen im Kontext der Interaktionsebene zu verstehen sind, kann davon ausgegangen werden, dass jede Situation eine Kette von individuellen Abläufen darstellt. Durch gezielte Beobachtung wird es möglich, diese Verhaltenskette zu erkennen und rechtzeitig darauf zu reagieren. Dies bedeutet, dass ein aggressives Verhalten durch Intervention der SP rechtzeitig gestoppt werden kann.

Gezieltes Eingreifen verhindert, dass die Situation eskaliert und hemmt damit den Einsatz üblicher Handlungsmuster.

Umlenken bedeutet, das Kind wieder zurückzuführen um seine Konzentration zu erhalten. Umgestalten bedeutet,  eine Anforderung an das Kind so zu verändern, dass es diese bewältigen kann. Für beides gilt der gleiche Anspruch der Wahrnehmung. Wenn das Kind, weil es unsicher wird und sich überfordert fühlt, erste Anzeichen zeigt, auf ein übliches Verhaltensmuster zurückzugreifen, entschärft die SP die Situation, indem sie helfend eingreift. Sie verhilft dem Kind zu einem Erfolgserlebnis, indem sie es bei einer Aufgabe unterstützt oder eine ursprüngliche Forderung zurücknimmt und verringert.

Dies stellt keineswegs ein inkonsequentes pädagogisches Handeln dar, vielmehr gilt es, dem Kind gleichzeitig neue Lösungswege des Verhaltens zugänglich zu machen und Impulse zu setzen, die eine Bereitschaft für Veränderung zulassen.

 

Gewissensbildung

Eine zentrale Frage, die sich stets beim Auftreten aller Formen von Gewalt und Aggression stellt ist, weshalb das menschliche Gewissen dies zulässt.

An diese Fragestellung gehe ich bewusst nicht analytisch und theoretisch heran, sondern beziehe hier eine philosophische Betrachtung ein.

Die Freiheit eines Menschen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. So beginnt sie erst dort, wo es ihr gelingt, sich in jener Weise innerhalb dieser Grenzen zu bewegen, die es dem Individuum ermöglicht, den Blick auf das ICH zu wenden, ohne sich vom DU abzuwenden. Mißverstandene Freiheit des Menschen verdeutlicht sich durch Egoismus und Mangel an Kompromißbereitschaft, wodurch beim anderen Ohnmacht und Frustration entstehen. Somit bedingt falsch verstandene Freiheit die Einengung des anderen. Wahrhaftige Freiheit ist wohl der größte Traum des Menschen. Freiheit des Handelns zu erlangen und zu leben bedingt allerdings eine Beeinträchtigung des Du, dem seine Freiheit genommen wird.

Die Ausbildung des Gewissens muss daher im Hinblick auf diese Begrenzung erfolgen.

Egoismus als missverstandene persönliche Freiheit ist zum Grundübel der Menschheit geworden. Wir können davon ausgehen, dass egoistische Ziele auch der Impuls für alle Kriege der Menschheit waren. Hinter jedem persönlichen Drama steht letztendlich ein egoistisches Motiv.

Schlägt eine Mutter ihr Kind, so ist ihr Motiv, dass sie ein braves Kind haben möchte. Vielleicht will diese Mutter auch Ruhe haben, vor anderen nicht blamiert werden oder Macht ausüben, weil sie sich die eigene Hilflosigkeit nicht eingestehen kann.

Ermordet ein Mensch einen anderen, so ist sein egoistisches Ziel meist gleichzeitig das Tatmotiv.

Vergewaltigt ein Soldat im Krieg ein Mädchen, kann die einzige Rechtfertigung dieses Verbrechens nicht Systemzwang und Gehorsam sein. Sein egoistisches Motiv, das darüber entscheidet, ob er diese, unter Umständen angeordnete, Tat begeht ist, in diesem System zu bestehen, seinen Gehorsam zu beweisen. Egoismus bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass er sich der Angst vor den Folgen eines möglichen Widersetzens nicht aussetzen  möchte.

"Der Philosoph Karl Jaspers beschreibt den Menschen als größte Möglichkeit und größte Gefahr in der Welt" (Weischedel 1966, S.269).

Seine Freiheit sei weder beweisbar, noch widerlegbar und doch hat der Mensch das Gefühl, dass er nicht ausschließlich durch die Umstände bestimmt wird, sondern dass es immer auch an ihm selber liegt, wie er sich entscheidet. Freiheit erweist sich nicht durch Einsicht, sondern durch die individuelle Tat.

Sie bedeutet, dass sich der Mensch in jeder Situation entscheiden kann, sich selbst zu ergreifen oder sich selbst zu verfehlen, sich zu gewinnen oder sich zu verlieren. Nur indem das Individuum sich auf sich selbst stelle, könne es selbst werden. Selbstsein ist nur in Kommunikation mit anderen Menschen möglich, daher ist die Kommunikation das wesentliche Kriterium für Freiheit (vgl. Weischedl 1966, S.268-269).

"Wie werden wir selbst nur in dem Maße, als der andere er selbst wird, werden frei nur, soweit der andere frei wird" (Jaspers, zit. nach Weischedl 1966, S.269).

Gewissensbildung muss sich am Menschen orientieren. Nur die positive Grundeinstellung zum Menschen ermöglicht das Entstehen ethischer und moralischer Normen.

Es liegt jedoch am Individuum selbst, diese Normen mitzugestalten, so entscheidet letztendlich der einzelne darüber wie das Gesamte sein wird.

Beachtet der einzelne seine Freiheit begrenzt zum DU, wird dies seine Entscheidungen beeinträchtigen. Unterdrückung, Macht, Ausgrenzung, Gewalt, Ungerechtigkeit, Druckausübung, Zerstörung...zeigen mehr als deutlich, dass der Mensch noch immer nicht fähig ist, sich am Menschen zu orientieren.

Jedes Individuum besitzt jedoch die Freiheit, sich solidarisch zu zeigen, für andere einzutreten, Unrecht aufzuzeigen und dort wo es unmittelbar möglich ist, seine positive Grundeinstellung als eine Ausrichtung am Du auch zu leben.

Falsch verstandene Freiheit ist demnach, wenn wir Wegsehen, Verleugnen, Verdrängen um das egoistische Ziel des Vermeidenwollens zu erreichen. Gerade das Phänomen der Aggression zeigt auf, dass Zivilcourage mehr denn je gefragt ist, um gewalthemmende Normen und Einstellungen zu fördern.