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Was ist Kommunikation?

Noch vor einigen wenigen Jahr­zehnten war der Begriff Kom­muni­kation im alltäglichen Sprachge­brauch so gut wie unbekannt. Heu­te scheint es eine "Modewort" zu sein. Hat man früher in der Schule besten­falls etwas von kom­muni­zie­ren­den Gefäßen gehört, so spricht man heute von Kom­muni­ka­tions­problemen, wenn Menschen nicht mehr miteinander reden können. Jemand ist kommunikativ, wenn er leicht mit anderen Menschen ins Gespräch kommt. Ein Kom­muni­kations­zen­trum ist nicht nur das je­weilige Vereinshaus, son­dern auch das Beisl an der nächsten Ecke. Ohne Tele­kom­mu­ni­kation (Handy, Fax, SMS, e-mail, ...) wäre modernes Leben kaum mehr vorstellbar. Die Reihe ließe sich leicht und beliebig fortsetzen. (vgl. Deibl, S. 9)

Um menschliche Kommunikation – und um genau die geht es in den nach­folgenden Überlegungen – ranken sich verschiedene Theorien, die versuchen etwas Licht in die häufig so dunkel und undurchsichtig erscheinende Kommunikationswelt zu bringen. Die Betonung liegt durchaus auf versuchen, da den Wissenschaftlern ob der Komplexität des Sachverhaltes a priori klar war, dass es unmöglich sein würde mit einer Theorie sämtliche "weiße Flecken" auf der "Landkarte Kommunikatiens" verschwinden zu lassen und alle Un­klar­heiten und Ungereimtheiten restlos zu beseitigen. So schreiben Watz­la­wick et al. beispielsweise: "Das vorliegende Buch versucht, einige wenige Schritte in dieses unbekannte Gebiet [Anm. d. Verf.: gemeint ist das System der menschlichen Kommunikation] hinein zu tun. Es ist ein Versuch, Denkmodelle zu formulieren und Sachverhalte zu veranschaulichen, die die Gültigkeit dieser Modelle zu unterbauen scheinen." (Watzlawick et al., 1985, S. 13)

Der Hamburger Kommunikationspsychologe Schulz von Thun bekannte an­läss­lich eines Interviews [2] auf die Feststellung, er habe sich mit seinen damaligen Kol­legen als Missionar der Kommunikation verstanden (1981 gab er sein erstes Buch über Kommunikation Miteinander reden heraus) retrospektiv: "Ja. Wir glaubten zu wissen, wie gute Kommunikation aussieht und wie man sie den Leuten beibringt. Aber wir waren auf dem Holzweg." Eine erstaunlich of­fe­ne Antwort von einem Mann, der mit seinen Büchern und Seminaren eine Unzahl von Trainern, Pädagogen und Beratern bis zum heutigen Tag in Sachen Kommunikation prägt und beeinflusst.

 

Nähern wir uns dem Be­griff Kommunikation von der etymologischen Seite, so finden wir im Duden Herkunftswörterbuch [3], dass er sich vom lateinischen Wort communicatio herleitet, was so viel heißt wie "Mitteilung". In communicatio stecken auch noch andere lateinische Wörter wie communio mit der Bedeutung "Gemeinschaft" oder communicare, was übersetzt werden könnte mit "etwas gemeinsam machen, gemeinsam beraten, einander mitteilen". Kommunikation hat also immer etwas mit einem menschlichen Gegenüber zu tun.

Watzlawick et al. unterscheiden graduell zwischen den Begriffen Kom­muni­kation, Interaktion und Strukturen von Interaktionen. Eine einzelne Kommunikation ist eine Mitteilung, sozusagen ein einzelner Baustein. Einen wechselseitigen Ablauf von Mitteilungen zwischen zwei oder mehreren Personen bezeichnen sie als Interaktion, wobei die Anzahl der wechselseitigen Mitteilungen begrenzt ist. Interaktion wäre also bereits ein mehrteiliger Baustein. Als Strukturen von Interaktionen sehen sie dann übergeordnete komplexere Einheiten menschlicher Kommunikation. (vgl. Watzlawick et al., 1985, S. 50f)

Da es Watzlawick et al. – wie wir später noch sehen werden – hauptsächlich um die Pragmatik, d.h. die verhaltensmäßigen Wirkungen der menschlichen Kommunikation, geht, verwenden sie die Begriffe Kommunikation und Verhalten praktisch gleichbedeutend (ebd., S. 23). In diesem Sinne wird auch das Wort Kommunikation in der vorliegenden Arbeit verwendet.