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Aktives Zuhören - die Hohe Kunst des richtigen Zuhörens

Das beste Mittel, sich kennen zu lernen, ist der Versuch, andere zu verstehen.
André Gide (französischer Schriftsteller, 1869-1951)

 

Ein weiterer Aspekt, auf den ich im theoretischen Teil meiner Arbeit noch eingehen will, ist das Aktive Zuhören. Dies ist keine von den beiden bisher be­han­delten Modellen losgelöst zu betrachtende weitere Theorie zur zwi­schen­menschlichen Kommunikation, sondern ein essentieller und integraler Be­standteil des bisher Gesagten (ein ganz besonderer Konnex besteht zum Hören mit dem Selbstoffenbarungs-Ohr). Ob der Wichtigkeit, die das Aktive Zuhören m.E. im ganz alltäglichen Kommunizieren - egal ob in Schule, Beruf, in der Familie oder mit Freunden - hat, hebe ich es als einen eigenständigen Punkt gesondert heraus.

Schulz von Thun erläutert im oben bereits erwähnten Zusammenhang mit dem Selbstoffenbarungs-Ohr:

Kommen wir zu den Chancen zurück, die sich mit dem Selbstoffenbarungs-Ohr verbinden. Eine wichtige Kom­munikationsfähigkeit für Gesprächstherapeuten ... und für Erzieher ... ist das aktive Zuhören. Hier wird das Selbstoffenbarungs-Ohr be­sonders aus­­­gebildet, jedoch nicht dia­gnos­ti­zierend und entlarvend eingesetzt ("so einer bist du also"), sondern in dem Bemühen, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt des Senders nicht-wertend einzufühlen. Dadurch verhilft der Empfänger dem Sender, mehr zu sich selber zu kommen. In der Ge­sprächs­­psychotherapie [10] ist der Therapeut [11] u.a. ständig dabei, die in Sachaussagen verborgenen Gefühlsinhalte einfühlend zu entdecken und gleichsam rückzuübersetzen:

Klientin: "... und mein Mann kann sich auch nicht darum kümmern - der kommt meistens erst sehr spät nach Hause .."

Therapeut: "Sie fühlen sich ziemlich alleingelassen mit den ganzen Problemen?"

Klientin: "Ja - nun, er hat wirklich viel zu tun und muß ja auch vorankommen."

Therapeut: "Sie versuchen sich selbst zu sagen: 'Du mußt dafür Verständnis haben, daß er sich nicht kümmert?'" usw. (ebd., S. 57)

Im Kern geht es also darum, die Zwischentöne des Gegenübers - insbesondere die emotionaler Natur - zu verbalisieren, sie in Worte zu kleiden und ihm dabei zu helfen, sich eine klarere Sichtweise über sich und seine momentane Lage und Befindlichkeit zu verschaffen. Wenn es gelingt, emotional schwierige Situationen, die beim Betroffenen oft große Verwirrung und inneres Chaos auslösen, zu entflechten, Gefühle und Zustände konkret zu benennen, so ist damit auch schon die Hälfte des Lösungsweges zurückgelegt und wertvolle Hilfe geleistet.

Das Aktive Zuhören wird oft als eine Technik oder Methode bezeichnet, was m.E. irreführend sein kann. Es bedient sich freilich verschiedener Techniken, auf die ich noch ganz kurz eingehen werde. Das Herzstück des Aktiven Zuhörens, mit dem alles fällt und steht, sind aber Grundhaltungen/-ein­stel­lun­gen gegenüber dem Ge­sprächs­partner.